Wie man eine Stiftung beginnt

Wie aus einer Satzung zwei Themenfelder werden, und warum wir über diesen Teil der Arbeit öffentlich sprechen.

Dr. Marc Konieczny

Vorstand der Hildegard und Hubert Johannsmann Stiftung

Was am Anfang da war

Anfang 2026, zu Beginn der operativen Tätigkeit der 2023 gegründeten Stiftung, standen nach dem Tod des Stifterehepaars in den Jahren 2024 und 2025 im Wesentlichen eine Satzung, ein Grundvermögen und zwei Vorstände im Ehrenamt, die die Stifter persönlich gut kannten. Es gab kein Programm, kein Personal und keine Projekte.

Das ist eine ungewöhnlich freie Lage, und sie ist unbequemer, als sie klingt. Wer eine Stiftung übernimmt, deren Stifter nicht mehr leben, kann sie im Aufbau nicht mehr einbinden. Es gibt den Zweck und die Erinnerungen an zwei Menschen, und dazwischen liegt die Arbeit.

Wir beschreiben diesen Teil öffentlich, weil er zur Sache gehört. Über fertige Stiftungsprogramme wird viel geschrieben, über deren Entstehung wenig, und gerade dort fallen die Entscheidungen, die später alles bestimmen.

Was in einer Satzung steht und was nicht

Eine Satzung nennt einen Zweck. Sie nennt keine Themen. Zwischen dem Zweck und einem Thema, an dem man tatsächlich arbeiten kann, liegen mehrere Schritte, und jeder davon schließt etwas aus.

Unsere erste Idee war eng gefasst, nämlich auf Demenz. Sie lag nahe, weil Hildegard Johannsmann an Demenz erkrankt war und ihr Mann sie gepflegt hat. Je länger wir darüber gesprochen haben, desto klarer wurde, dass die Frage dahinter größer ist. Es geht um den Umgang mit Menschen, deren Selbstverständlichkeiten sich verschieben, und dieser Umgang stellt sich bei Angehörigen, im Alter, bei kognitiven Veränderungen jeder Art und bei Kindern, die nicht in die vorgesehene Form passen, in derselben Grundstruktur.

Also haben wir das Feld geweitet und Würde und Eigensinn daraus gemacht. Und dann haben wir es wieder scharf gestellt, weil ein weites Feld allein noch keine Arbeit ist. Wir beginnen bei der Demenz, bleiben aber hier nicht stehen.

Das zweite Feld

Das zweite Themenfeld hat einen anderen Ursprung, nämlich die Berufserfahrung von Hubert Johannsmann. Er war seit den achtziger Jahren über drei Jahrzehnte einer der gefragtesten Personalberater für Spitzenpositionen, vom Konzern bis zum Familienunternehmen, und sah dabei Muster, über die selten öffentlich gesprochen wird. Bestimmte Persönlichkeitsstrukturen werden in Auswahlprozessen bevorzugt und kommen der Organisation später teuer zu stehen. Dr. Marc Konieczny, sein langjähriger Mentee und seit zwölf Jahren selbst in dieser Rolle, hat dieselben Muster seither aus eigener Erfahrung kennengelernt.

Aus dieser Beobachtung ist Wagnis und Verantwortung geworden, mit der dunklen Triade als erstem Einstieg. Wir wissen, dass wir uns damit auf schwieriges Gelände begeben. Ein eigener Beitrag auf dieser Seite beschreibt den persönlichen Blick und insbesondere das, was die Forschung dazu sagt und was nicht, und nennt die vier Fragen, die wir bearbeiten wollen.

Zwei Felder und nicht sieben

Eine Stiftung mit Mitteln in unserer Größenordnung kann in zwei Feldern etwas bewirken und in sieben nichts. Das klingt banal und gehört doch zu den schwersten Entscheidungen im Aufbau, weil jede Begrenzung gute Themen ausschließt und weil es angenehmer wäre, für mehr zuständig zu sein.

Wir haben uns auch gegen eine andere Versuchung entschieden. Eine neue Stiftung kann Jahre damit verbringen, sich selbst einzurichten, Gremien zu besetzen, Leitbilder zu formulieren, Beiräte zu berufen und eine Bildsprache zu entwickeln. Nichts davon ist falsch, und alles davon kann die Arbeit ersetzen, wenn man es zu früh und zu ausführlich tut. Wir haben deshalb bei den Themenfeldern angefangen und nicht bei der Organisation.

Wie wir arbeiten

Die Stiftung arbeitet operativ. Sie nimmt aktuell keine Förderanträge entgegen und leitet keine Mittel weiter, sondern setzt sie für die eigene Arbeit ein.

Wofür wir ansprechbar sind

In dieser Phase suchen wir vor allem Menschen. Fachliche Begleitung in beiden Themenfeldern. Praktiker, die aus der Sache heraus sprechen können, aus Pflege, Medizin und Schule, aus Personalarbeit und Aufsichtsgremien. Menschen, die selbst betroffen waren. Eine Persönlichkeit, die unsere Gespräche moderieren kann, wäre uns besonders willkommen. Und junge Menschen, die diese Themen umtreiben.

Wer sich bei uns meldet, bekommt kein Formular, sondern ein Gespräch.

Woran wir uns messen lassen

Am Anfang einer Stiftung lässt sich vieles behaupten. Damit das nicht so bleibt, nennen wir hier, was in zwölf Monaten vorliegen soll, je Themenfeld zwei „Echte Gespräche“, je ein veröffentlichtes Thesenpapier und für jedes Feld eine feste fachliche Begleitung.

Was hier zählt, ist nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dorthin. Diesen Weg kann man mitgehen, und deshalb steht er hier.

Weitere Beiträge

  • Die Frage, die wir nicht stellen

    Was die Forschung über dunkle Persönlichkeitsmuster an der Spitze weiß, was sie bewusst offenlässt, und wo wir anfangen.

  • Echte Gespräche

    Ein Format für Menschen, die aus derselben Beobachtung zu verschiedenen Schlüssen kommen, vertraulich oder öffentlich.

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